Stichworte zu einer tiefer gehenden Neubeschreibung unserer Arbeit

Louis Lau,11.12.2011 / Dezember 2015

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Größe

Jeder Mensch hat eine (gewisse) Größe, die in der Biographie aufscheinen soll.
Wir glauben, dass der Mensch zu dieser Größe stehen, sich zu ihr bekennen und
sein Licht nicht schmälern will.

Manchmal versteckt er seine wahre Größe zwischen
falscher Bescheidenheit
und
falschem Stolz.

Der Mensch will seine wahre Größe sehen – wie ein Bildhauer die Figur aus dem
Holz herausarbeitet, und sie dann in echter Lebensgröße erscheint.

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Schicksal

Das Leben hält für jeden Menschen Schicksalhaftes bereit. Es wird oft mit dem
„Schweren“ und „Unverständlichen“ des Lebens gleich­gesetzt. Wer traut sich
zu sagen, das Schicksal hat es gut mir gemeint? (Und wenn, würden wir gerne
wissen, woher diesem Einen der Mut kommt.)

Leben ist (immer auch) Auseinandersetzung mit diesem Schicksal, ein Kampf
– wie das nächtliche Ringen Jakobs mit dem Unbekannten. Am Schluss überlebt
man, ist aber an der Hüfte gelähmt. Das bedeutet, dass man die größere Kraft
des Anderen nicht mehr zu leugnen vermag.

Die Biographie soll also zeigen, wie der Mensch dazu gekommen ist, sich dem
Schicksal zu stellen, sich mit ihm auseinander zu setzen, sich vor ihm zu verneigen.
Sie zeigt die ihm zugänglich gewordene Demut.

Und insofern er sich noch nicht verneigt, sondern empört und Demut für Feigheit
hält oder etwas für Frauen und Kinder, so ist es die Aufgabe der Biographen, eben
dies zu zeigen.

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Lösung

Das Leben auch der Alten, noch der Achtzig- und sogar der Neunzigjährigen ist
unabgeschlossen, auch wenn es in (mehr oder weniger) vielen Bereichen schon
dazu geführt hat, dass es etwas Schönes entstand.

Es gibt ungelöste Fragen (Warum musste der Partner so früh sterben?), ungelöste
Ängste (das eigene Befinden, das Herz, die Augen), offene Wunden (die Tochter,
die Schwester), offene Entscheidungen (der Nachfolger).

Das Buch – so die implizite (also nicht offen ausgedrückte, viel­leicht auch unbewusste)
Erwartung– soll zu einer Lösung des Ungelösten beitragen, soll mithelfen, das Offene
zu schließen.

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Ruhe

Bei manchen bedeutet der Wunsch nach Lösung konkret, dass sie zur Ruhe kommen
wollen, aus der ewigen Unruhe und Unstetheit ins Gelassene und Geborgene.

Nichts ist besser geeignet, den Menschen zur Ruhe kommen zu lassen, als das Ganze
seines Lebens – offen und in Ruhe ange­schaut.

Diese Chance bekommt er, wenn er „sein“ Buch in die Hand nehmen kann. Im eigenen
Leben wie in einem offenen Buch lesen… bis er sich selbst in Ruhe anschauen kann.

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Familie

Der Wunsch, etwas für die Familie zu tun
–          dafür sorgen, dass Achtung und Wertschätzung da ist
–          dafür sorgen, dass Ausgeschlossene wieder angeschaut werden und ihren Platz finden
–          dafür sorgen, dass Tote endlich ganz ziehen können

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Das Ganze Leben

Das Leben ist manchmal auch deshalb eine Last, weil man sich so lange weigert, seine
Begrenzt­heit zu sehen. Dem Tod nicht ins Antlitz schauen will.

Das Leben als Ganzes besteht aus Leben und Tod – und der Mensch weiß es auch und
will es letztlich auch anerkennen. Er will sich der Grenze stellen, mit eben dem Mut,
den er dafür aufbringt. Hier hört alles richtig und falsch auf, jeder und jede ist eben so
wie er und sie ist. Die Lebensgeschichte will auch von dieser Angst und von diesem Mut
Zeugnis geben, von „meinem“ besonderen, einmaligen Angstmut.

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Perspektive

Es ist „mein“ Leben, von mir her angeschaut. Das macht es zu etwas Besonderem.

Ich sehe, dass meine Eltern und meine Kinder, meine Geschwister, mein Ehepartner
jeweils eine andere Perspektive haben, d.h. sie beschreiben gemeinsam erlebte Ereignisse
aus ihrer Sicht, die meine Sicht vielleicht ergänzt, vielleicht auch im Widerspruch dazu steht.

In meine Lebensgeschichte möchte ich natürlich auch die Per­spek­tiven der anderen
miteinbeziehen und so etwas wie eine Symphonie daraus werden lassen.

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Sprache

Die zu findende Sprache begleitet uns (den Kunden, den Autor, den Lektor)
auf dem Balanceakt:

Sie beschreibt, zählt auf, bildet ab
und
sie verdichtet, erzählt, weckt Phantasien.

Die Sprache ist rational und intuitiv, und dadurch das entschei­dende Mittel,
all das auch tatsächlich zu erreichen, was mit den vorigen Stichworten
angesprochen wurde.

Wenn ein Kunde erzählt (kündet), dann bekommt man als Zuhörer natür-
lich ein „Bild“. Man „schaut“ auf sein Leben … und es kommt einem eini­ges
an Einsichten/ Fragen/Vermutungen hoch.

Nichts von dem kann aber in das Buch hineingepresst werden. Der Kunde
möchte/soll jedem Wort zustimmen (können). Auch er geht hierbei sowohl
rational als auch intuitiv vor.

Die Sprache stellt sich auch dem Unsagbaren eines jeden Lebens.
„Das Eigentliche ist unsichtbar“ … kann nicht gesehen (sondern nur „geschaut“)
und also auch nicht beschrieben (sondern erzählt)  werden.

Das Unsagbare, das Geheimnis des Lebens erscheint – wie es die alte und
treffende Wendung sagt – zwischen den Zeilen.

In der hebräischen Tradition heißt es: schwarzes Feuer auf weißem Feuer.

Das eigene Leben zu lesen … und zwar zwischen den Zeilen: Ich glaube,
das ist ein wichtiges Element der insgeheimen Wünsche des Kunden.

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Die nichtalltägliche Wirklichkeit
oder
Wunder – im Alltag

Die Menschen erzählen ihr alltägliches Leben, die normale Ent­wick­lung,
das Auf und Ab des gewohnten Lebens, ihre Anstren­gungen und Erfolge.

Unbewusst beauftragen sie uns (zu dieser Formulierung später mehr),
ihr „nicht-alltägliches Leben“, die „nicht-alltägliche Wirklichkeit“ wahr-
zunehmen, zu achten, zu erkennen. Sie wollen leben … über den Tod
hinaus, und das geht nur wenn ihr Leben Sinn hatte, also in Beziehung
zur vertikalen Dimension des Daseins stand. Dies gilt für Gläubige und
Ungläubige gleichermaßen.

Warum ist dieses Anliegen unbewusst? Nun, wem es bewusst ist, der sagt
es selbstverständlich. Aber die anderen, die es nicht sagen, haben dieselbe
Hoffnung – so glaube ich.

(Das) Ich will Ich Selbst werden, es sagt zum Beispiel ich faste, ich schreibe,
ich reise, ich lese … ich denke. Die angestrebten Ergeb­nisse dieser Tätigkeiten
des Ich sind das Eine, dass ich so auch „ich selbst werden“ und „zu mir kommen“
kann, ist das andere.

Ich in Gott und Gott in mir, sagte Meister Eckhard dazu.

Verstehen/verstanden werden…
sich selber und die anderen
die Brüche
die Narben
die Verdrängung, die Angst – und die Anstrengung, die man auf sich nahm,
um nicht zu merken, dass man verdrängte –
die Komplikationen, die auf diese Weise entstanden
das Vielschichtige und im Grunde Unüberschaubare…

wie ein Gedicht … immer wieder lesen … und es irgendwann als Ganzes und
unmittelbar in seinem Einklang vernehmen. Das Gefühl haben: Jetzt verstehe ich es.

Ich versteht Es.

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Wirkung

Sich selbst verstehen ist schon eine gute Wirkung.

Seinen Frieden mit sich selbst machen ist eine gute Wirkung.

Einem Anderen verzeihen und einen Anderen um Verzeihung bitten
ist ebenfalls eine gute Wirkung.

Etwas klarstellen und zurecht rücken.

Wer die gute Wirkung an sich selbst erlebt, strahlt sie auch aus.
Das wird nicht ohne Wirkung bleiben.

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Leben, immer wieder neu

Die Wahrheit des einen Augenblicks wird von der Wahrheit
des anderen Augenblicks abgelöst.

Man möchte zwar gerne festhalten, weiß aber schon,
dass es nicht geht.

Der Schmerz des Abschieds … wenn ich mich ihm hingebe, lässt er nach.
Und es keimt und wächst die Freude daran, im Fluss zu sein.

Mich selbst im Fluss zu sehen, zusammen mit allen,
mit denen mich Liebe verbindet. Siehst du auch,
dass niemand ausgeschlossen ist?

inklusion