Es ist alles ganz anders

Was beim Erzählen der Lebensgeschichte passieren kann

Vor einigen Jahren hatte ich einen Patienten, der auf einem Nachbarhaus die Antenne
reparierte. Dabei hob er ein Stück Kabel auf, das er für nicht geladen hielt, durch das aber
12000 Volt flossen. Er starb auf der Stelle. Und wie stirbt man, wenn 12000 Volt durch
das Herz fließen? Ein Phänomen, genannt „ventrikuläre Fibrillation“, wird ausgelöst. Das
Herz fibrilliert. Er fiel also vom Dach; aber wie es das Schicksal wollte, fiel er auf seine Brust,
genau in dem Winkel, genau auf die Stelle, genau mit der Wucht, die es brauchte, um sein
Herz zu defibrillieren. Eine ganz außergewöhnliche Geschichte, so als ob Gott ihn gerufen
und dann plötzlich seine Meinung geändert hätte. Das Ganze dauerte nur ein paar Sekunden.
Der Mann wurde vom Unfallort ins Spital transportiert, und er sagte: „Mein Geist ging immer
wieder zu dieser Lücke zurück.“ Er nennt diesen kleinen Vorfall, dieses kleine Zeitintervall,
die Lücke.

Wir fragten: „Was war in dieser Lücke?“

Er antwortete: „Dort war reine, grenzenlose Freude. Es war reine Glückseligkeit.“

Wir sagten: „Sie waren sich dessen bewusst?“

Er sagte: „Oh ja, ja, ich war mir dessen bewusst.“

Wir fragten: „Wessen waren Sie sich bewusst?

Er sagte: „Ich war mir bewusst, dass ich bewusst war.“

Wir fragten: „Können Sie das etwas spezifischer erklären?

Er antwortete: Ja, es war reines Gewahrsein. Das einzige, was ich sagen konnte, war:
ICH BIN. Ich bin nicht dies, ich bin nicht jenes, einfach ICH BIN. Es war die Erfahrung
meiner eigenen Unsterblichkeit, die Erfahrung von Ewigkeit. Es war die Erfahrung von
Glückseligkeit, von reiner Freude. Ich ging dermaßen darin auf, dass ich realisierte, dass
alles andere nur ein Konzept ist. Und ich wurde ein für alle Mal, total und gänzlich dieses
Ding los, das die Menschen Angst nennen.

Das Erstaunliche an der Geschichte des Mannes war, dass der Oberschenkel dort, wo der
elektrische Strom aus seinem Bein ausgetreten war, total verbrannt war. Sein Oberschenkel-
knochen lag frei, alles was man sehen konnte, waren zerfetzte Blutgefäße und Knochen. Im
Spital dachte man, dass nicht nur sein Körper, sondern auch sein Hirn durchgebrannt sei.
Er weigerte sich nämlich, sein Bein amputieren lassen, was die einzig angemessene Maßnahme
bei dieser Art von Verletzung gewesen wäre. Aber er sagte, dass er jetzt jederzeit in die Lücke
gehen könne und zwar durch einen einfachen Dreh der Aufmerksamkeit. Er würde seine
Aufmerksamkeit auf die Lücke richten und in sie hineingleiten. Dort würde er wieder diese
reine Freude erleben und von dort aus seine Aufmerksamkeit auf das Bein richten, wo er
anstatt des grauenhaften Schmerzes ein angenehmes Kitzeln wahrnähme. Und so ist ihm im
Laufe zweier Jahre ein neues Bein gewachsen. Weshalb? Weil er an denselben Ort ging,
von dem aus die Natur alles kreiert. Dieser EINE Ort ist in der Lücke zwischen unseren
Gedanken. Es ist der nichtlokalisierte Geist, aus dem die Natur alles gebiert. Die Natur
geht zu diesem Ort, um eine Galaxie, einen Regenwald oder einen neuen Gedanken zu
kreieren.

(erzählt von Dr. Deepak Chopra)