Ursprünglich leben

Etwas vom Ursprung (des Lebens, des Kunstwerks, des Glücks, der Freude…) sagen zu wollen,
enthält – halb verborgen –  die Sehnsucht nach Ursprüng­lich­keit. Nicht weit weg, nicht irgendwo
in der kalten Weite des Universums erhof­fe ich das Ur­sprüngliche, nicht vor Milliarden von Jahren
gewesen, sondern jetzt und hier möge es sein. Ursprüng­lich… ist das Kind. Das Sagen (und Schrei­-
ben) ist dann kein Betrachten des Lebens mehr aus geschützten und gesicherten Abstand heraus,
son­dern ein Zugehen auf das Leben als Gegenüber: Ich gehe auf dich zu und du auf mich.

Sich üben näher zu kommen. Näher kommen und opfern, nah verwandt im Hebräischen.

Aber eben dem ganzen Leben nahe kommen, nicht gerade nur dem, was man durch die Abstands-
­scheibe wahrnimmt. Mög­lichst ohne Scheu­klap­pen; sich mühen, die Scheuklappen zu sehen und
einzu­klappen.

Das ganze obere Leben wird in unserer „Kultur“ fast vollständig aus­ge­blendet – das ist nicht gerade
ein Geheimnis. Gerade auch durch das sogenannte Kul­ti­vie­ren und Ver­gei­stigen. Auch wenn man
munter und forsch von Gott spricht. Das obere oder kommende Leben wird ins Verbor­gene ge­stellt.
(Viel­leicht wird es auf diese Weise auch vor dem Zugriff der grauen Herren ge­schützt.) Ursprünglich
zu leben – ist der Wunsch, das obere Leben wieder lebendig werden zu lassen. Keine Enge, keine
Angst mehr, als „gläu­big“ eingeordnet zu werden, und d.h. als nicht up to date. Ursprünglichkeit
setzt die Enge des unteren, irdischen Lebens in Beziehung zu seiner Weite und Schönheit, d.h. zum
oberen Teil des unteren Lebens. Ursprüng­lichkeit setzt die Angst, abgekanzelt zu werden in Beziehung
zur Freude des Vertrauens auf den inneren Reichtum. Das untere Leben schwankt immer zwischen den
Extremen, kann keine Ruhe finden. Aus der Unruhe keimt die Sehnsucht, sich nicht in den Stunden und
Jahren und nicht in den Wüsten zu verlieren.

Motto Im Garten Kopie

Kontakt. Zum Nicht-Bewussten, zum Zufall, zum Sein wie es ist, zum Geheimnis, zum Verborgenen,
das sich lichtet. Und zum Beziehungs­losen. Kontakt zum Einsamen.

Auch wenn du zur Zeit kein gutes Leben hast, stirb nicht vor Angst! Bleib’ offen! Geöffnet zur Hoffnung.
Und wenn du wieder neues Leben spürst und du zurück­blickst auf das, was dir gelungen ist und wo du
Erfolg hattest, bleib’ offen für das obere Leben, dem du den Erfolg verdankst. Erfolg und Glück und
Freude werden dir doch einge­schenkt von einem besorgten und lieben­den Gastgeber… in überfließen-
­der Liebe. Umsonst. Die ganze Welt ist da zu deiner Verfügung… …damit du sie hütest.