Vorsatz

Ich werde kein ungelebtes Leben sterben.
Ich werde nicht in Angst leben vorm Fallen oder Feuer fangen.
Ich wähle, meine Tage zu bewohnen,
und erlaube meiner Lebensweise, mich zu öffnen,
um mich weniger ängstlich sein zu lassen,
zugänglicher,
um mein Herz zu lösen,
bis es ein Flügel wird,
eine Fackel, ein Versprechen.
Ich wähle, meine Wichtigkeit zu riskieren;
so zu leben, dass das, was zu mir als Same kommt,
als Blüte zum Nächsten geht,
und das, was zu mir als Blüte kommt,
weitergeht, als eine Frucht.

DAWNA MARKOVA

Hier wird von einer Dichterin, die im Hauptberuf Wissenschaftlerin und Coach ist,
auf den Punkt gebracht, was wir mit unserer Arbeit in der Memoirenwerkstatt ver-
sprechen. Wenn wir sagen, komm und schreib dein Leben mit uns auf, dann, so hoffen
wir, setzen wir „unseren Fuß auf weiten Raum“. Wir gehen gemeinsam dorthin.

Das Gedicht sagt, mit dem einen Zauberwort wiederholt: Befreie dich! Öffne dich! Hör
auf deine Stimme, die dir sagt, warum nur gehst du so beschwert und gebückt, richte
dich bitte auf, trau dich zu leben, tief durchzuatmen, wage es, alles, was dir immer noch
wichtig erscheint, fahren zu lassen – du kannst es ja doch nicht halten.

Aber die Zeilen bleiben nicht beim angstvollen Blick auf das letzte Geleit stehen, sondern
bringen dich und mich hierher zurück, an diesen Platz der Erinnerung, und es dämmert
dir all das, was im Laufe deines Lebens als Same und sogar als Blüte zu dir gekommen ist,
und du merkst, dass es bedeutet, wirklich lebendig zu sein, wenn du es weitergibst.

Das Buch deines Lebens ist die Frucht, mit der du dein Leben verwandelst in eine Gabe
für deine Nächsten und auf diese Weise an alle Menschen und sogar an die ganze Welt.

Kannst du das Buch deines Lebens selbst schreiben, dann tu es, obwohl es gut und schön
ist, sich dabei begleiten und unterstützen zu lassen. Auf jeden Fall aber tu es. Und dann:
„Nimm das Buch und lies!“

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© Steve Mc Curry