This is what there is

This is what there is:
Waking in the dark and cold. No more sleep.
This is what there is:
Rain on the roof. Newspaper soaked and muddy.
His mouth trembles as he thinks of children suffering.
Autumn leaves, red yellow, suddenly changing.

This is all there is:
Sitting down again and again, in the dark, in the cold,
In the sun, in the rain—this is all there is.
Hair turning silver, teachers dying, lovers leaving, old friends returning.
Grown children calling to say, “I love you.”

This is what we have:
Cold ocean breeze, salt in the air.
A mother cries out, calling her son a fool.
This is what we have:
A friend eating soup across the table.
A struggle to praise this mutilated world.
A wish for transcendent meaning. A desire to change our lives.
And this desire—is what we have too:
A wish for the heart to heal, the mind to relax—
This, too, is our life.

It can’t be right, can it?
But, this is all there is:
Unopened mail, unfinished lives.
Grief, pain, unexpected joy.
Green tea. Shivering. Fog rising from the land.
Wishing to be elsewhere.
The moon at the window.

This is all there is:
birth, death and everything that lies between.
Nothing special. Everything special. Nothing other than just . . . what . . . it is.
This is all there is.

This is what we have: life, as it is.
Late-season roses, jasmine.
Learning to love just these ordinary lives.
Shoes. We have shoes.
This is what we have. This is what there is. This is it. This is it.

Eiko Joshin Carolyn Atkinson

Wer dieses Gedicht zum ersten Mal hört, ist verleitet, es depressiv zu nennen. „Es zieht mich
hinunter“, so war es auch bei mir selbst. Ist das wirklich alles, was wir haben, fragt das Kind
oder der junge Mann oder auch der alte Mensch kurz vor dem Ende. Das Gedicht führt uns an
die Grenze dieses Endes ohne uns auch nur den Strohhalm eines eitlen Trostes zu schenken.
Kein „nichtiger“ Trost! Nein, halte aus, halte die Kälte aus und die Dunkelheit und den Regen
und die Zeichen des Verfalls und die Abwesenheit der geliebten Menschen, die schon vor dir
gestorben sind. It can’t be right, can it? Das kann doch nicht wahr sein, oder? Da war doch noch
etwas Anderes! Nein, die scharfe Stimme des Lehrers schneidet die kalte Luft, nichts Anderes,
nur das, was wir jetzt haben. Trauer, Schmerz, unerwartete Freude, im immer gleichen Rhythmus
der Baalstrommeln, nichts Anderes, nur das, was wir haben. Doch selbst ein buddhistisches
Gedicht bleibt nicht beim Ende stehen, sondern hat noch etwas zu sagen. Damit wir hören
können, was das überhaupt ist – etwas sagen.

Schuhe, sagt das Gedicht. Wir haben Schuhe.

Es ist der Moment, den man kennt, wenn einem ein Rätsel aufgegeben wird. Ein Paradox.
„Was ist das Klatschen einer Hand?“, fragt der Lehrer den Schüler. Dessen Verstand steht
still, was soll das, denkt er, er jagt von einer Ecke zur anderen, dreht sich um sich selbst.
Keine Antwort. So auch hier. Wieso Schuhe? Ja, natürlich haben wir Schuhe, … aber, was
soll das ganz Andere an Schuhen sein? Was hebt Schuhe heraus, dass sie so bedeutsam am
Ende stehen? Als ob ausgerechnet Schuhe über das Ende hinaus führten?

Nun, da findet natürlich jeder seine eigene Antwort – im Lauf der Zeit. Aber was wir wirklich
haben, exakt in diesem Moment, in dem wir lesen „shoes. We have shoes,“ ist eben diese Frage:
Was soll so besonders sein an Schuhen?

Nothing special, nichts Besonderes, wusste das Gedicht schon zuvor. Und fährt 
unmittelbar
nach dem Punkt fort: Everything special. Wer spricht so? Der verbundene Mensch. Der ver-
heiratete Mensch. Der Himmel und Erde verbindet, wie der Schuhmacher in der chassidischen
Geschichte, wenn er Ober- und Unterleder vernäht. Everything special.

Also auch Schuhe? Ja, auch Schuhe. Und nun zieh sie aus, denn du betrittst heiligen Boden…

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Louis Lau, 15. November 2016