What is the meaning of life?

Formed by the “Perennial Tradition”
and my own Catholic Christianity,
I believe
that the meaning of life is found
in a growing capacity for union
with widening circles
of life and suffering,
which first and final circle
is often called
God.

Richard Rohr

Das ist kein Gedicht, sondern die Antwort auf eine Frage. Fünfhundert
Menschen wurden befragt, wahrscheinlich solche, von denen erwartet
wurde, dass sie etwas Bedeutsames dazu sagen können. Richard Rohr,
ein Lehrer des Westens, geht auf Rilke ein und seine Anfangszeile „Ich
lebe mein Leben in wachsenden Ringen“, verliert sich aber nicht in
Bildern von Turm, Falke und Sturm, sondern führt die wachsenden
Ringe zurück auf den einen Ring, aus dem alles kommt und in den alles
führt. So sind wir gehalten wie sonst nur von einem Gedicht.

Es wächst die Kapazität, Einheit zu erleben und zu vermitteln. „Die goldne
Waage ruht nun still“ sagte Mörike dazu. Tag und Nacht, Licht und Fin-
sternis, hell und dunkel, gut und böse, emotional und rational, introvertiert
und extrovertiert, hochsensibel und dickhäutig – unendlich lang kann diese
Reihe von Spannungen fortgeschrieben werden. So können die Ringe sich
weiten, nicht nur Rechthaber und Fanatiker, sondern sogar Diktatoren und
Terroristen einschließen. Ringe des Mitgefühls, keine Ringe der Verzweiflung.
(Schon wieder so eine Spannung.)

Mitgefühl mit dem Leidenden, gleich ob er an seinem Leiden schuld ist oder
nicht. Wer wäre nicht mit schuld? Glückselige Schuld heißt es im Gebet der
Osternacht. Denn das Mitfühlen mit dem Leiden und der Schuld hat dem
Leiden seinen Sinn geschenkt.

So läuft alles auf den einen Ring zu – von ihm her und zu ihm hin.

Suche ihn, denn während du noch suchst, kannst du von ihm gefunden werden.

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Louis Lau, 3. Juli 2016