Ein Lied, das der berühmte Philosoph
Haeckel am 3. Juli 1911 vormittags auf
einer Gartenpromenade vor sich hinsang
(Von einem Ohrenzeugen)

Wimmbamm Bumm
Wimm Bammbumm

Wimm Bamm Bumm

Wimm Bammbumm
Wimm Bamm Bumm
Wimmbamm Bumm

Wimm Bamm Bumm
Wimmbamm Bumm
Wimm Bammbumm

Joachim Ringelnatz

Der berühmte Philosoph Haeckel ist heute nur noch dem Namen
nach bekannt, vielleicht hat man von seinem Buch Die Welträtsel
gehört, in dem er über Gott, Mensch, Natur und Welt Auskunft gab.
Heute muss man eher lachen über ein solches Unterfangen; so wäre
er ganz und gar vergessen, wenn nicht der Narrenphilosoph Ringel-
natz sein Lied für uns bewahrt hätte.

Schläft ein Lied in allen Dingen, heißt es. Also auch im Philosophen
(und Arzt und Professor und Zoologen und Politiker) Haeckel. Zwölf
Jahre nachdem sein damals weltberühmtes Buch erschienen war,
lässt ihn Ringelnatz vormittags auf einer Gartenpromenade sein Lied
finden, Ein heller, ein mittlerer und ein dunkler Glockenton, die beiden
Laute „b“ (mal hart, mal weich) und „m“. und die Melodie hören wir,
wie sie uns aus dem Inneren ertönt. „Du“ findest das Zauberwort,
das bedeutet in dem Moment, die Zaubermelodie, weil die Zauberlaute
und die Zaubervokale schon getroffen sind.

Bleiben in der Zeit – sagen die Laute. Als Frage und als Sehnsucht.

Eine Lebensreise – sagen die Vokale, vom Gipfel und Wipfel zum Tal
und ins Land bis nach unten.

Und jetzt kommst Du mit deiner Melodie dazu…

***

Louis Lau, 14. April 2015