»Meine Lebensgeschichte«
Von was und von wem der Erzähler da eigentlich erzählt

 Erfahrungen eines Biographen

Der Erzähler heißt in diesem Fall Louis Lau, und seit zwölf Jahren ist er Schreiber
von Lebensgeschichten von Menschen wie du und ich. Davor unterrichtete er
in der Erwach­­sen­enbildung Soziologie, Sozialpsycho­lo­gie und Philosophie, und
wieder davor hat er in einem sogenannten Sonderfor­schungs­bereich der Ludwigs
Maximilians Universität in München über das Wesen der Arbeit staat­li­cher
Organisationen geforscht und dazu auch veröffentlicht. Zu Weinreb kam er zum
ersten Mal im November 1984 auf die Reichenau zu einem Vortrag über die Seele
und die Ewigkeit, nachdem er schon im Sommer den Bauplan mit „großen Augen“
gelesen hatte. Auf Weinreb aufmerk­sam gemacht hatte ihn Rein­hild Mappes, die
von seinen Ausflügen in verschiedene Fakultäten der Universität wusste und zu ihm
sagte: „Sie suchen Väter… dann können Sie ja auch mal Weinreb hören.“ Und jetzt
meldet er sich selbst zu Wort: »Die Begeg­nung mit der schriftlichen und mündlichen
Überliefe­rung, wie sie von Weinreb in unsere Zeit herüber­erzählt wurde, ist das
Große, das mir in meinem Leben begegnete.« Neulich hat er in einem kleinen Text
(angeregt durch Amos und Fania Oz’ Buch „Juden und Worte“) geschrieben, dass
er ein Jude sei, ein Jude im Sinne des Worts. „Ich danke dem Herrn“ sagt Lea als
sie den Jehuda zur Welt bringt. – Was könnte ein Mensch mehr erzählen?

Der Vortrag mit dem Titel „Meine Lebensgeschichte – Von was und von wem der
Erzähler da eigentlich erzählt“ versucht eine Quintessenz der bisherigen Arbeit
als Biograph vor dem Hintergrund der biblischen Erzählung. Er fragt, wer dieses
Ich ist, das sich als „Ich bin der ich bin“ vorstellt und wo und wie es in unserem
bodenständigen Leben erscheint. Der Vortrag könnte deshalb auch einen anderen
Titel tragen: Mein Leben erzählen – geht das überhaupt?

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